Geschichts(ver)führungen wünscht frohe Feiertage und einen guten Start ins Neue Jahr

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde von Geschichts(ver)führungen,

wie jedes Jahr möchte ich mich zum Jahresende mit einem kleinen literarischen „Schmankerl“ für Ihr Interesse an meinen Angeboten bedanken.

Ein merkwürdiges Jahr liegt hinter uns. Alle geplanten Führungen musste ich absagen. Viele verständnisvolle Mails habe ich von Ihnen erhalten und mich sehr darüber gefreut – ich bedanke mich an dieser Stelle ganz herzlich dafür! Bitte entschuldigen Sie, dass ich Ihnen nicht geantwortet habe, es war auch für mich persönlich eine schwierige Zeit, die meinen „Arbeitskräfteschwung“ ausgebremst hat.

Nie habe ich es mir leicht gemacht, einen Text oder ein Gedicht für Sie auszuwählen. So schwer wie in diesem Jahr aber tat ich mich nie. Ein Text, der von Ruhe oder Besinnlichkeit schwärmt? Davon haben wir dieses Jahr mehr als genug. Einer, der die Vorfreude auf gemeinsames Erleben ausdrückt? Das gibt es in diesem Jahr nicht – nur nicht noch zusätzliche Sehnsucht wecken …. Und: muss es denn unbedingt ein Weihnachtsgedicht sein ….

Schließlich hatte ich zwei Gedichte in der engeren Auswahl: „In Weihnachtszeiten“ von Hermann Hesse (das findet sich in fast jeder Weihnachtsanthologie) und „Der Frühling“ von Charlotte Nussbaum Isler, einer Stuttgarter Jüdin, die heute 94-jährig in New York lebt und gerade eben einen kleinen Gedichtband mit dem Titel „Das Leben ist trotzdem schön. Gedichte und Gedichtle“ veröffentlicht hat (Peter Grohmann Verlag der AnStifter).

Aber kaum hatte ich diese Vorauswahl getroffen, kam mir wie ein Blitz aus heiterem Himmel ein Gedicht in den Sinn, das mich nicht mehr los ließ und das ich Ihnen nun zusende. Es ist kein Weihnachtsgedicht. Es ist ein Gedicht, das Hoffnung und Freude propagiert, unabhängig von Jahreszeit und Anlass. Vermutlich kennen die meisten von Ihnen die erste Strophe. Hatten Sie ein Poesiealbum? Dann steht sie vermutlich darin. Ich hatte eines, und diese Strophe wurde mir doch tatsächlich drei Mal eingeschrieben! Es handelt sich um das „Sonnengedicht“ von Cäsar Flaischlen.

Cäsar Flaischlen wurde 1864 in Stuttgart geboren. Nach einer Lehre zum Buchhändler arbeitete er in Stuttgart, Brüssel und Bern und studierte dann bis 1889 in Berlin, Heidelberg, Leipzig, Freiburg und Zürich Philologie. Seit 1990 lebte er dauerhaft in Berlin, wo er Redakteur der damals führenden Kunst- und Literaturzeitschrift PAN wurde.

Ab 1884 betätigte er sich schriftstellerisch. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war er einer der populärsten Lyriker Deutschlands. Seine Gedichtbände erreichten Auflagen von mehreren hundert Tausend. Cäsar Flaischlen war so bekannt, dass er von Alfred Döblin in seinem Roman „Berlin Alexanderplatz“ verewigt wurde – diese Passage möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: „Und als ein fliegender Buchhändler eines Tages bei schauerlichem Regenwetter auf der Straße stand und über seine Einnahmen wetterte, trat Cäsar Flaischlen an den Bücherkarren. Er hörte sich das Gewettere ruhig an, dann klopfte er dem Mann auf beide nassen Schultern und sagte: ‚Lass das Gewettere, hab Sonne im Herze‘, so tröstete er Ihn und verschwand.“

1920 verstarb Cäsar Flaischlen in einem Sanatorium. Bestattet wurde er in einem bis heute erhaltenen Ehrengrab auf dem Stuttgarter Pragfriedhof. Wer mit mir schon über den Pragfriedhof geschlendert ist, hat es wahrscheinlich schon einmal gesehen.

Ich wünsche Ihnen frohe Feiertage und einen guten Start ins Neue Jahr. Ich hoffe, dass wir uns bei einer Führung nächstes Jahr wieder sehen können, ein Führungsprogramm werde ich Anfang nächsten Jahres erstellen, einige Führungstermine für den Sommer stehen schon.

Bleiben Sie gesund und passen Sie auf sich und die Menschen in Ihrer Umgebung auf!

Viele Grüße

Claudia Weinschenk

Hab Sonne im Herzen,

ob’s stürmt oder schneit,

ob der Himmel voll Wolken,

die Erde voll Streit!

Hab Sonne im Herzen,

dann komme, was mag!

das leuchtet voll Licht dir

den dunkelsten Tag!

Hab ein Lied auf den Lippen,

mit fröhlichem Klang

und macht auch des Alltags

Gedränge dich bang!

Hab ein Lied auf den Lippen,

dann komme, was mag!

das hilft dir verwinden

den einsamsten Tag!

Hab ein Wort auch für andre

in Sorg und in Pein

und sag, was dich selber

so frohgemut läßt sein:

Hab ein Lied auf den Lippen,

verlier nie den Mut,

hab Sonne im Herzen,

und alles wird gut!

Zitiert nach: https://www.hab-sonne-im-herzen.de/blog-hab-sonne-im-herzen/

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